Montag, 22. August 2016

Omran und die Debatte um die Macht der Bilder


Vor einer knappen Woche ging in den deutschen und internationalen Medien das Bild des geretteten syrischen Jungen Omran aus Aleppo um die Welt. Innerhalb kurzer Zeit wurde das Bild zu einer Ikone des Bürgerkrieges in Syrien. Schnell wurde es mit dem Bild des toten Kindes Aylan verglichen, das im vergangenen Jahr zur Ikone wurde. Ähnlich wie damals löste es auch eine Debatte um die Macht von Bildern aus. Untenstehend eine kleine Übersicht über die diesbezügliche mediale Diskussion.


Der Spiegel thematisierte die Entstehung des Bildes und sprach mit dem Urheber des Bildes:

„Er habe schon viele Luftangriffe in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo miterlebt und fotografiert, sagte Mustafa al-Sarout. Und so war es auch am vergangenen Mittwoch: Da filmte er unter anderem den fünfjährigen Omran, wie er staubig und blutend in einem Krankenwagen sitzt und apathisch ins Leere starrt. Die Bilder gingen um die Welt: als Symbol für die Schrecken dieses Bürgerkrieges.“


Eine Einordnung des Bildes ob ihrer Bedeutung nahm Fiete Stiegers auf NDR.de vor:

Das Bild bewegt die Menschen, die es sehen: Ein kleiner Junge hockt verstört auf dem orangenen Sitz eines Krankenwagens, verschmutzt und mit blutverschmierten Kopf. Retter haben ihn nach einem Bombenangriff auf die umkämpfte syrische Stadt Aleppo aus den Trümmern gezogen. Es erinnert an das Bild einer staubbeckten New Yorkerin am 11. September.“


Inwieweit das Bild auch in den Medien Russlands Verbreitung fand, thematisierte SWISS Info:

„In das russische Internet gelangte das Foto von Omran vor allem über die russischsprachigen Seiten internationaler Medien wie der Deutschen Welle oder der BBC. Der für Auslandspropaganda zuständige russische Fernsehkanal Russia Today deutete die Verbreitung des Fotos als gezielte Kampagne. "Warum hat sich das Bild des Jungen aus Aleppo (#aleppoboy) viral verbreitet und nicht das anderer Kinder, die vom Krieg betroffen sind?", heisst es in einem Videoclip.“


Über die Entstehungsbedingungen von Bildern in Aleppo und Syrien, wie das von Omran, reflektierte Caroline Bock auf Meedia:

„Die Bilder aus Aleppo entstehen generell nicht ganz zufällig. Medien-Aktivisten suchen Motive mit dem Ziel, ikonische Bilder zu schaffen. Sie wissen sehr genau um die Wirkung, die von den Aufnahmen ausgehen kann. Im Fall von Omran war es das oppositionelle Aleppo Media Center, das am Mittwochabend nach einem Luftangriff ein Video aufnahm.“


Reaktionen deutscher, vor allem christlicher Hilfswerke, ob das Bild Publikationswürdig ist, thematisierte die Webseite Evangelisch:

„Das Foto eines verletzten Jungen aus der umkämpften syrischen Stadt Aleppo hat am Donnerstag die Menschen weltweit berührt. Deutsche Hilfsorganisationen reagierten zurückhaltend auf das Bild des fünfjährigen Omran. "Wir würden es so nicht zeigen, weil wir Menschen grundsätzlich nicht als Opfer darstellen", sagte die Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel in Berlin.“


Thomas Fricker argumentierte in der Badischen Zeitung, warum es legitim ist, das Bild zu zeigen und was seinen Erfolg ausmacht:

„Wir leben in einer Welt der Bilder. Da ist es legitim, die Welt mit Bildern aufzurütteln. Gut möglich, dass der Junge eben deshalb gefilmt worden ist. Das ändert aber nichts an der Not in Aleppo. Hinschauen – das ist die Botschaft diese Bilder. Verdrängen ist nicht. Selbst wenn all dies an der Ohnmacht dem Krieg gegenüber erst mal nichts ändert.“


Die Dauerhaftigkeit der vermeintlichen Schockwirkung des Bildes, stellte Andreas Schwarzkopf auf FR Online in Frage:

Man darf aber auch nicht zu viel erwarten von einem einzigen Foto oder dem Video, aus dem das Bild stammt. Für viele wirkt es wie ein Schrei gegen die Unmenschlichkeit, wie ein Plädoyer für das Ende des Krieges. Andere wiederum fürchten, die emotionale Empörung werde nach kurzer Zeit verebben, wie sie schon so oft verebbt ist.“


Samstag, 6. August 2016

Webvideos „This is Conflict“


Was wir als Konsumenten kennen, sind die Bilder. Bilder aus Krisen und Kriegen, von Katastrophen und Konflikten. Sie geben uns einen kleinen Einblick in das, was direkt neben uns oder weit entfernt passiert. Diejenigen die diese Bilder machen, kommen selten zu Worte, ebenso wie wir nur selten mehr darüber erfahren, wer die Menschen auf den Bilder sind. Einen kleinen Einblick gibt es mit der Dokumentation „This is Conflict“.

Eigentlich sind es sechs Interviews mit Fotografen, die der amerikanische Filmemacher Nick Fitzhugh zu einem kleinen ca. 35 minütigen Film zusammengefügt hat. Jedes der Interviews ist an einem anderen Ort aufgenommen, in den USA, Kenia oder Mexiko. Darüber hinaus leben die kurzen Clips, die im Internet auch einzeln abrufbar sind, von den Bildern der Fotografen, die zur Visualisierung und zur Illustration einzelner Geschichten genutzt werden. Produziert wurde der Film für den Streamingdienst Netflix von Fitzhughs Produktionsfirma Refix..


CONFLICT: Miniseries from redfitz on Vimeo.


Die für das Projekt interviewten Fotografen sind Robin Hammond, Joao Silva, Donna Ferrato, Pete Muller, Nicole Tung und Eros Hoagland. Der Film lebt von ihren emotionalen Erzählungen über ihr Tun, über ihre Motivationen, ihr Scheitern und ihre Verluste. Dabei sind es ganz unterschiedliche Konflikte, die sie fotografisch dokumentieren. Auch wenn es viel um klassische kriegerische Konflikte geht, gibt es auch andere Themen wie die Folgen sexualisierter Gewalt, deren Dokumentation das Lebenswerk der amerikanischen Fotografin Donna Ferrato ist.

Sie wirken sympathisch und verletzlich, die sechs interviewten Fotografen, nicht wie Draufgänger. Bei Eros Hoagland war schon der Vater als Fotograf in den Bürgerkriegen Lateinamerikas unterwegs. Als Eros 15 war, verlor der Vater sein Leben in El Salvador. Noch in den Zwanzigern verlor Nicole Tung ihren Freund Chris Hondros in Lybien und ihren Kumpel Jamels Foley in Syrien. Diese Schilderungen sind die emotionalsten Momente im Film. Da merkt man, wie nah der Job jedem und jeder Einzelnen geht.

Zu Beginn jedes Films laufen in kurzer Zeit Dutzende Bilder mit dem Klickgeräusch der Kamera ab. Es soll wohl die Bilderflut symbolisieren, einen Hinweis auf die Tausenden und Abertausenden von Bildern geben, welche die Fotografen jährlich produzieren. Gleichzeitig werden einige Bilder als Stils gezeigt, dienen als Aufhänger für Geschichten, was etwas Ruhe in den Film bringt und die Bilder lebendig werden lässt.

Einige der Aussagen der Fotografen geben zu denken. So sagt der Südafrikaner Joao Silva: „I could be on the other side of the camera. It’s just a matter of geography“. Damit setzt er sich auf Augenhöhe mit den Fotografierten, nivelliert mögliche Unterschiede. Und Pete Muller, der in Kenia lebt, zerstört den Mythos des Kriegsfotografen in dem er sagt: „I am a conflict photographer, but I am not a combat photographer“. Er führt weiter aus, dass er an den Bildern hinter dem Schlachtfeld interessiert ist, was der Film eindrücklich zeigt.

Es gibt auch eine Webseite zum Film "This is Conflict" mit den Bios der Fotografen. Auf den sozialen Medien ist das Projekt unter dem Hashtag #thisiconflict auf Twitter, Facebook und Instagram zu finden.

Samstag, 25. Juni 2016

Presseschau zum LUMIX Festival in Hannover


Vom 15. bis 19. Juni fand auf der EXPO Plaza in Hannover das fünfte LUMIX Festival für jungen Fotojournalismus statt. Mit einem neuen Besucherrekord von fast 40.000 Menschen hat sich das Festival als Publikumsmagnet sowie Treffen der deutschen Fotojournalismusgemeinde fest etabliert. Neben den 60 Ausstellungen gab es ein volles Begleitprogramm mit Fotografenvorträgen sowie kleinen Aktionen im neu geschaffenen Containerdorf. Im Folgenden finden sich eine kleine Presseschau mit einigen Rezensionen deutscher Medien zum LUMIX-Festival.



„Das 5. Lumix-Festival präsentiert Arbeiten junger Nachwuchs-Fotojournalisten. Im Zentrum stehen Flüchtlingsschicksale, es gibt aber auch Skurriles abseits des Mainstreams zu sehen. "Die psychologische Nähe zu dem Sujet ist viel mehr entscheidend als die physische Nähe zu den Objekten", sagt Festivalleiter Rolf Nobel.“

Jochen Stöckmann für Deutschlandradio Kultur


 „Es sei das breiteste Themenspektrum der bisherigen Lumix-Historie, sagte Nobel bei der Vorstellung des Festivals. Es ist auch sein Verdienst, dass es so eine raumgreifende Fotoausstellung überhaupt noch gibt. Denn wir haben eigentlich genug von Bildern, wir stecken bis zum Hals drin. Es wird immer schwerer, in der Schnellschnell- und Exhopp-Kultur der Sozialmedien zu vermitteln, dass gute Bilder Zeit, Mühe und Geld kosten.“

Uwe Janssen für die HAZ


 „Dass ein Festival für jungen Fotojournalismus gerade in Hannover stattfindet, kommt nicht von ungefähr. Die Hochschule Hannover gilt als einer der besten Studienorte für Reportagefotografie weltweit, am Sprengelmuseum sind gerade erst Räumlichkeiten und Personal für die Abteilung künstlerische Fotografie erweitert worden und im letzten Jahr hat die älteste deutsche Fotoagentur Visum ihren Sitz in die niedersächsische Landeshauptstadt verlegt.“

Agnes Bührig für den Deutschlandfunk


 „Das andere Fotojournalismusfestival von Rang in Europa, in Perpignan, spitzt sich innerhalb von Bildgeschichten zu auf das „eine“ herausragende Foto in Konflikten, Gewalt, Katastrophen, das zur Ikone werden kann, auch als Brücke zum jährlichen „World Press Photo Award“. Lumix unterschlägt das nicht, setzt aber auf besinnlichere, hintergründige Themen und vor allem auf Bildgeschichten und Reportagen.“


Robert von Lucius für The European


„Vor dem Hörsaal im Design-Center steht eine ältere Dame und setzt Zeichen für die Freiheit des Bildes. Drinnen sollen gleich berufene Leute über die Ethik der Fotografie reden beim Lumix-Festival auf dem ehemaligen Expo-Gelände in Hannover. Es sind nur noch wenige Minuten, bis die Podiumsdiskussion zum Thema "Bilder als Dokumente der Realität - Was muten wir dem Betrachter zu?" beginnt. Das interessierte Publikum strömt herbei. Diese Gelegenheit nutzt die Dame, um ihre Solidaritätspostkarten zu verteilen, auf denen steht: "Freiheit für Felipe Durán."“

Thomas Hahn für die SZ


„Das Gesicht der ermordeten britischen Labour-Abgeordneten Jo Cox kennen seit einigen Tagen Internetnutzer, Fernsehzuschauer und Zeitungsleser in aller Welt – durch die Medien, die zu der Nachricht von ihrem Tod Bilder liefern. Doch welche sind angesichts ihres Schicksals angemessen? Archivbilder der strahlenden Frau, Fotos vom abgesperrten Tatort mit einem am Boden liegenden Opfer, Aufnahmen von trauernden Menschen am Ort des Geschehens?“

Joachim Görres im Weser-Kurier

Auch auf Twitter gab es eine kleine Diskussion bzw. Begleitung des Festivals, die unter dem Hashtag #LumxiFestival nachzuvollziehen ist.

Donnerstag, 16. Juni 2016

Fotografiestudium International


Als Teil des LUMIX Festival für jungen Fotojournalismus an der Hochschule Hannover fand am 16. Juni 2016 ein Treffen internationaler Foto-Hochschulen statt. Es war Teil des Kick-Offs für eine internationale Klasse am Studiengang für Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der Hochschule Hannover, die im März 2017 starten soll. Die von den Professoren Lars Bauernschmitt und Karen Fromm verantwortete Initiative hat zum Ziel, die internationale Kooperation des Studiengangs zu stärken und im auf Deutsch gelehrten Curriculum Platz für Kurse auf Englisch für die internationalen Gaststudenten zu schaffen.

Spannend an der Vorstellung der sieben verschiedenen Institutionen, war deren unterschiedliche Ausrichtung und disziplinäre Verortung. Deutlich hervor trat, wie stark die Ausbildung von Fotojournalisten in Deutschland und Europa in einer fotografischen Tradition steht, was sich an der Verortung der Hochschulen im Design, wie an der Hochschule Hannover, oder an Kunstakademien, wie in Holland und Irland, zeigte. Einzig die Gäste aus Dänemark sind mit ihrem Studiengang im Journalismus angesiedelt an der Danish School for Media and Journalism. Ähnlich ist dies auch an der Missouri School of Journalism, bei deren Vorstellung sich die starke journalistische Tradition des amerikanischen Fotojournalismus zeigte. Die einzige Institution aus dem globalen Süden war das Patshala South Asian Media Institute.

Hier ist eine Aufstellung der am 16. Juni beteiligten Institute:









Neben den in Hannover vorgestellten Hochschulen und Fotoschulen gibt es eine Vielzahl weiterer Schulen, sowohl in Deutschland und Europa, als auch weltweit. Die Sonderstellung Hannovers und einiger in Hannover präsenter Studiengänge ist der eher seltene Schwerpunkt auf dem Fotojournalismus und der dokumentarischen Fotografie. Einige weitere Beispiele, die das präsentierte Angebot bereichern und zum Teil auch einen Schwerpunkt auf Fotojournalismus haben, aber ebenfalls keinen Anspruch auf Vollständigkeit genießen, folgen hier:








Donnerstag, 26. Mai 2016

Fotoszene Mexiko


Nicht erst seit der Digitalisierung ist die Fotografie ein globales Medium. Schon kurz nach der Erfindung des Mediums im 19. Jahrhundert breitete sich das Medium von Europa aus auf der ganzen Welt aus. In einigen Regionen war diese Ausbreitung eng mit dem Kolonialismus verbunden, in anderen geschah dies unabhängig davon. In Lateinamerika erlangten viele Länder wie Mexiko schon relativ früh zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihre Unabhängigkeit, so dass sich die Fotografie dort weitgehend unabhängig von kolonialen Strukturen als lokales Medium etablieren konnte. Heute zu Beginn des 21. Jahrhunderts gehört Mexiko zu einem der Länder Lateinamerikas mit einer der spannendsten Fotoszenen, in die ich an dieser Stelle einen kleinen Einblick geben möchte.

Eine der ältesten und bis heute wichtigsten Institutionen der Fotografie ist das „Centro de la Imagen“ in Mexiko-Stadt. Es befindet sich im Zentrum der Stadt neben den weitläufigen Anlagen der mexikanischen Nationalbibliothek in einem alten Kolonialgebäude. Nach mehrjährigen Renovierungsarbeiten hat das Haus im Herbst 2015 erneut seine Tore geöffnet. Die auch vorher schon großzügigen Ausstellungsräume wurden erweitert und eine „Fotomuro“ genannte Außenanlage dazugewonnen. Neben hochkarätigen Ausstellungen lokaler und internationaler Fotografen ist das Centro de la Imagen Zentrum zweier Fotofestivals: des „FotoMéxico“ und der „Bienal de Fotografía“. Während die „Bienal de Fotografía“ den Fokus ausschließlich auf die lokale Fotografieszene richtet, ist „FotoMéxico“ der internationalen Fotografie gewidmet.

Blick in den neuen Ausstellungsbereich "Fotomuro" des Centro de la Imagen

Einen Namen gemacht hat sich das "Centro de la Imagen" auch über seine Bildungsangebote. Vor allem das „Seminario de Fotografía Contemporánea“ – das seit kurzem unter dem Namen „Seminario de Produccion Fotografica“ läuft – hat in den letzten Jahren mehrere Dutzend mexikanische Fotografen die Form eines intensiven künstlerisch orientierten Projektstudiums ermöglicht. Damit wurde eine zentrale Lücke geschlossen, die von den eher technischen orientierten, meist privaten Fotoschulen des Landes hinterlassen wurde. Ebenfalls wichtige Impulse gehen vom zweijährig stattfindenden „Encuentro Nacional de Teoria sobre Fotografía“ aus. Hier wird der theoretischen Debatte über die lokale und internationale Fotografie ein wichtiges Forum geboten.

Unabhängige Initiativen

Erst im vergangen Herbst eröffnete das Fotomuseum „Cuatro Caminos“ seine Tore. Benannt ist es nach dem Stadtviertel, in dem es sich befindet und der dortigen Endstation der Metro. Gegründet und finanziert wird es von der privaten Stiftung von Pedro Meyer, einer der Koryphäen der mexikanischen Fotoszene. Meyer, Jahrgang 1935, war in einer Vielzahl von wichtigen Initiativen der mexikanischen Fotografie, unter anderem dem „Consejo Mexicano de Fotografía“, der von 1976 bis zu Beginn der 1990er Jahre eine wichtige Rolle spielte, bevor er 2007 seine eigene Stiftung gründete. Die Räumlichkeiten des „Fotomuseo Cuatro Caminos“ müssen sich kaum hinter denen des „Centro de la Imagen“ verstecken und bereichern die Stadt um einen exzellenten Ausstellungsort.

Blick in den Eingangsbereich des "Fotomuseo Cuatro Caminos"

Vor allem im Bereich der fotografischen Sammlungen nimmt die „Fundación Televisa“, die von der privaten Fernseh- und Mediengruppe „Televisa“ getragen wird, eine zentrale Stellung ein. Unter dem Namen „Fotográfica“ findet sich eine der größten Sammlungen historischer und zeitgenössischer mexikanischer Fotografie. Darüber hinaus fördert die Stiftung eine Vielzahl von privaten und öffentlichen Initiativen im Bereich der Fotografie, darunter auch das Ausstellungsprojekt „Develar y Detonar“.

Auch sonst hat die freie Szene einiges zu bieten. Internationale Bekanntheit hat die private Galerie Patricia Conde erlangt, die ausschließlich fotografische Positionen in ihrem Portfolio hat und ihre Räumlichkeiten im bürgerlichen Viertel Roma hat. Sie vertritt bekannte lokale fotografische Künstler wie Flor Garduño oder Rodrigo Moya. Relativ neu auf dem Parkett ist die Initiative „La Hydra“, die unter anderem von Ana Casas Broda gegründet wurde, die lange Jahre am „Centro de la Imagen“ arbeitete. Hydra ist vor allem als Plattform aktiv, die eigene Weiterbildungsangebote entwickelt - wie einen Inkubator zum Fotobuch - oder kuratorisch wirkt, unter anderem in der Vorbereitung des Ausstellungsprojekts „Develar y Detonar“ im Jahr 2015.

Das Ausstellungsprojekt „Develar y Detonar“

Im Herbst 2015 wurde an drei verschiedenen Orten in Mexiko-Stadt die Ausstellung „Develar y Detonar.Fotografía en México ca. 2015“ gezeigt, die der Präsentation zeitgenössischer mexikanischer Fotografie gewidmet war. Über 50 fotografische Positionen waren zu sehen, die das Panorama von klassischen dokumentarischen Projekten bis hin zu künstlerischen Arbeiten spannten. Es war eine beispielhafte Kooperation zwischen den wichtigsten privaten und öffentlichen Institutionen im Bereich der Fotografie in Mexiko, wie „Fotográfica“ und der „Fundacion Televisa“ auf der einen und dem „Centro Nacional de las Artes“ und dem „Centro de la Imagen“ auf der anderen Seite. Das besondere an der Ausstellung ist, dass neben dem umfangreichen Katalog in Form eines Coffeetablebuchs das gesamte Projekt auch mit einer eigenen Onlinepräsenz an den Start ging. Dort sind zumindest Ausschnitte der einzelnen, zum Teil sehr umfangreichen Arbeiten zu sehen. Der Katalog überzeugt vor allem durch verschiedene Essays, die das Projekt und die gezeigten fotografischen Ansätze kontextualisieren.

Die Fotoszene abseits der Hauptstadt

Eine Schwierigkeit der mexikanischen Fotoszene besteht in den Auswirkungen der Zentralisierung des Staates die zur Folge hat, dass sich bis heute ein Großteil der kulturellen Initiativen in Mexiko-Stadt konzentrieren, wie es die eben geschilderten Beispiele aufzeigen. Es gibt jedoch einige Ausnahmen. So findet sich in der Stadt Pachuca im Bundesstaat Hidalgo, wenige Stunden nordöstlich der Hauptstadt gelegen, in einem alten Kloster im „Museo de la Fotografía“ die „Fototeca Nacional“. Dem nationalen Fotoarchiv sind viele lokale und regionale Fotoarchive angeschlossen, die jedoch oft in einem erbärmlichen Zustand sind, wie beispielsweise die „Fototeca Juan Crisóstomo Méndez“ in Puebla im Zentrum des Landes. Auf nationaler Ebene sind alle Foto-Archive im „Sistema Nacional de Fototecas“ (SINAFO) zusammengeschlossen.

Die SINAFO gibt auch die Zeitschrift „Alquimia“ heraus, die sich der Aufarbeitung lokaler Fotoarchive verschrieben hat. Aber nicht nur: Die Ausgabe 46 war zum Beispiel der zeitgenössischen mexikanischen Fotoszene gewidmet und bietet in Form eines Magazins zu einem geringen Preis einen tollen Überblick über eine Vielzahl unterschiedlicher fotografischer Ansätze der letzten Jahrzehnte.

Auch im Bundesstaat Oaxaca südwestlich der Hauptstadt befindet sich in der gleichnamigen Stadt ein Kleinod der mexikanischen Fotoszene, das „Centro Fotografico Manuel Álvarez Bravo“ (CFMAB). Gegründet wurde es 1996 vom international bekannten und aus Oaxaca stammenden Maler Francisco Toledo. Dass mit seiner Kunstkarriere verdiente Geld investierte er in lokale Initiativen und trug so mit dazu bei, dass Oaxaca heute ein Zentrum der zeitgenössischen Kunst- und Fotografieszene ist. Der Namensgeber Manuel Álvarez Bravo war einer der Pioniere der zeitgenössischen Fotografie in Mexiko. Im CFMAB werden Ausstellungen lokaler und internationaler Fotografen gezeigt. Dazu gibt es ein spannendes Bildungsprogramm aus Kursen und Veranstaltungen.

Publikationen und sprachliche Zugänge

Wie in vielen anderen Ländern der Welt gibt es auch in Mexiko einen boomenden Fotobuchmarkt. Auch wenn kleine Indepentinitiativen immer noch rar gesäht sind, gibt es einige sehr interessante Angebote. Einen guten Überblick geben beispielsweise die Publikationen der „Colección Luz Portatil“ die vom Verlag „Artes de Mexico“ herausgegeben wird. Das international bekannte Fotografiemagazin EXIT wird von einer mexikanisch-spanischen Initiative unter Leitung von Rosa Olivares herausgegeben. Die größte Relevanz für die mexikanische Fotoszene haben jedoch die Publikationen des „Centro de la Imagen“, sowohl die seit 1992 erscheinende, eher wissenschaftlich orientierte Zeitschrift „Luna Cornea“ als auch die seit 2013 existierende Reihe mit Essays über Fotografie.

Cover der Zeitschrift "Luna Cornea" und des Katalogs "Develar y Detonar"

Die Schwierigkeit des Zugangs zur mexikanischen Fotoszene besteht darin, dass sowohl die meisten Institutionen wie auch Publikationen ausschließlich dem spanischsprechenden Publikum offenstehen. Eine Ausnahme stellen Ausstellungskataloge der großen Institutionen dar, die entweder zweisprachig oder in spanischen und englischen Versionen erscheinen. Die Zeitschrift „Luna Cornea“ übersetzt immerhin einen Text jeder Auflage in Englisch. Leider verfügen jedoch selbst zentrale Institutionen wie das „Centro de la Imagen“ nicht über eine englische Version ihrer Webseite.


Die im Text genannten Institutionen sind im Text jeweils direkt verlinkt. Darüber hinaus findet sich auf diesem Blog bereits eine Kurzbibliographie zu mexikanischer Fotografie. Für Twitter-Nutzer bietet sich die Möglichkeit auf meinem Account @FKoltermann die Liste „Photography in Mexico“ zu abonnieren um regelmäßige Updates von den verschiedenen Institutionen zu bekommen. Ein ausführliches Interview mit der Leiterin des „Centro de la Imagen“, Itala Schmelz, über Fotografie in Mexico, erscheint in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift Photonews.

Freitag, 22. April 2016

Aktuelle Artikel aus dem Frühjahr


Fotografie im lokalen Kontext
Der israelische Pressefotografiepreis

Seit vergangenem Spätsommer ist Israel aufgrund einer Welle von Messerattacken palästinensischer Jugendlicher und militärischen Gegenreaktionen der israelischen Armee immer wieder Thema in den internationalen Nachrichtenmedien. Viele andere politische und soziale Geschehnisse in Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten schaffen es dagegen nur selten, die Aufmerksamkeit der Medien zu bekommen. Einen Überblick dieser Ereignisse und deren fotojournalistische Darstellung bietet die Ausstellung des israelischen Pressefotografiepreises, die vor Kurzem im Tel Aviver Eretz Israel Museum präsentiert wurde. Die Ausstellung zeigte nicht nur die Vielfalt politischer und sozialer Fragestellungen sowie Konflikte, mit denen Israel konfrontiert wird, sondern auch das Potenzial, über diese mit Hilfe der Fotografie zu erzählen.


Der vollständige Artikel findet sich auf Qantara.
Link zum Festival: www.edutmekomit.


Fotobiennale in Paris
Die arabische Welt im Spiegel der Fotografie

In Zeiten, in denen die mediale Berichterstattung über die arabische Welt auf die politischen Konflikte fokussiert und der politische Diskurs vom Umgang mit der Migration aus der Region geprägt ist, setzt eine Fotobiennale in Paris ein visuelles Zeichen der Vielfalt und Pluralität. Felix Koltermann hat sich die Ausstellungen für Qantara angesehen. Die Ausstellungen liefen bis zum 17. Januar. Auf der Webseite der Biennale werden alle beteiligten Künstler und ihre Arbeiten vorgestellt.

Der vollständige Artikel findet sich auf Qantara.
http://biennalephotomondearabe.com/


Mamilla und der Tower of David

Es ist gibt wohl kaum eine Stadt auf der Welt, in der der öffentliche Raum derart stark von politischen Fragestellungen und Konflikten durchdrungen ist, wie Jerusalem. Nur ein kleiner Teil der damit verbundenen Phänomene ist jedoch auf den ersten Blick sichtbar. Vieles erschließt sich erst dann, wenn man mit aufmerksamem Blick durch die Stadt geht, Fragen stellt und einzelne Puzzleteile zusammensetzt. Am Jerusalemer Stadtviertel Mamilla, das sich zwischen West-Jerusalem und der Altstadt erstreckt, lässt sich beobachten, wie stadtplanerische Entscheidungen den öffentlichen Raum verändern und eine neue visuelle Realität mit großer politischer Strahlkraft schaffen.

Der vollständige Artikel findet sich auf Qantara.


Sinnbilder amerikanischer Landschaft
Stephen Shore bei C/O Berlin

Im Februar wurde in der Berliner Fotografiegalerie C/O Berlin eine Retrospektive der amerikanischen Fotografenlegende Stephen Shore eröffnet. Nach den Ausstellungen mit Sebastiao Salgado und Anton Corbijn im Jahr 2015 beweist die Galerie im Amerikahaus damit ein Mal mehr ein glückliches Händchen dabei, weltbekannte und für die Entwicklung der Fotografie wichtige Fotokünstler nach Berlin zu holen. Der 1947 geborene Stephen Shore gilt als einer der Pioniere der Farbfotografie und hat mit seiner konzeptionellen Arbeitsweise Generationen von Fotografen beeinflusst. Die Ausstellung, noch bis 22. Mai 2016 zu sehen, ist dank einer Kooperation mit der Fundación MAPFRE aus Madrid zu Stande gekommen.

Der vollständige Artikel findet sich beim Neuen Deutschland (Nur über Abo).
www.co-berlin.org
  

Operationen im Verborgenen
Die Ausstellung „Terror Icognitus“ von Edmund Clark

Während US-Präsident Barack Obama im Februar diesen Jahres einen letzten Anlauf gestartet hat, das Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba zu schließen, sind in den letzten Jahren immer mehr Details über das dahinterstehende System illegaler staatlicher Aktivitäten ans Licht gekommen. Ungewöhnliche Einblicke in das Thema bietet die Ausstellung „Terror Incognitus“ des preisgekrönten britischen Künstlers und Fotografen Edmund Clark, die zurzeit im Mannheimer Zephyr – Raum für Fotografie – zu sehen ist.

Der vollständige Artikel findet sich bei der taz.
http://zephyr-mannheim.com/clark-de

Mittwoch, 13. April 2016

Kurzbibliographie Fotografie in Mexiko/Lateinamerika


Wer anfängt, über Fotografie in Lateinamerika und in Mexiko zu recherchieren, der stößt relativ schnell an seine Grenzen. Das Wenige was in Europa zum Thema publiziert wurde, sind vor allem Kataloge von großen Ausstellungen sowie einige Publikationen zu ethnographischen Themen. Wesentlich mehr wurde in Lateinamerika publiziert, wobei der Zugang zu dieser Literatur über das deutsche Bibliothekswesen nicht ganz einfach ist. Untenstehend finden sich zwei Kurzbibliographien zu Fotografie in Lateinamerika und zu Fotografie in Mexiko, die sich gut als Einstieg in den Themenkomplex eignen.




Kurzbibliographie Fotografie in Lateinamerika:

  • Billeter, Erika/Kunsthaus Zürich. (1981): Fotografie Lateinamerika von 1860 bis heute, Bern: Benteli.
  • Carreras, Claudi (Hrsg.) (2011): Labyrinth of Views - Documentary Photography in Latin America, RM Verlag.
  • Cravo Neto, Mario/Rio Branco, Miguel (Hrsg.) (2003): La Mirada - Looking at Photography in Latin America, Oehrli.
  • Fabry, Alexis, et. al. (2013): Urbes mutantes 1941-2012: Latin American photography, Mexico D.F.: RM/Toluca Editions.
  • Fernandez, Horacio (2012): The Latin American Photobook, New York: Aperture.
  • Kraus, Michael/Fischer, Michaela (Hrsg.) (2015): Exploring the archive historical photography from Latin America: the collection of the Ethnologisches Museum Berlin, Berlin: Böhlau.
  • Kummels, Ingrid (Hrsg.) (2012): Espacios mediáticos: Cultura y representación en México, Berlin: Walter Frey.
  • Sayag, Alain (1982): La Photographie contemporaine en Amerique latine, Paris: Centre Georges Pompidou.
  • Schwartz, Marcy E./Tierney-Tello, Mary Beth (2006): Photography and writing in Latin America: double exposures, Albuquerque: University of New Mexico Press.
  • Watriss, Wendy/Zamora, Lois Parkinson (1998): Image and memory : photography from Latin America, 1866-1994 : FotoFest, Austin, Tex.: University of Texas Press.
  • Wolff, Gregor (2015): Explorers and Entrepreneurs behind the Camera: The stories behind the pictures and photographs from the Image Archive of the Ibero-American Institute, Berlin: Ibero-Amerikanisches Institut.


Kurzbibliographie Fotografie in Mexiko:

  • Broda, Ana Casas (Hrsg.) (2015): Develar y detonar, Mexico D.F.: Editorial RM.
  • Castillo, Morales (2015): Luna Cornea No 35 - Viajes al Centro de la Imagen III: Aproximaciones al fotoperiodismo mexicano, Mexico D.F.: Conaculta.
  • del Castillo Troncoso, Alberto (2013): Las mujeres de X'oyep, Mexico D.F.: Centro de la Imagen.
  • Fajardo Tapia, David (2015): Bandidos, Miserables, Facinerosos, Mexico D.F.: Centro de la Imagen.
  • Gallegos, Luis Jorge (2011): Autoretratos del fotoperiodismo mexicano, Mexico D.F.: Fondo de cultura economica.
  • García Krinsky, Emma Cecilia, et. al. (2012): Mujeres detrás de la lente : 100 años de creación fotográfica en México 1910-2010, México, D.F.: Gobierno Federal, Estados Unidos Mexicanos, Dirección General de Publicaciones, CONACULTA.
  • Monsivais, Carlos (2012): Maravillas que son: sombras que fueron, Mexico D.F.: Ediciones Era.
  • Mraz, John (2014): México en sus imágenes, Artes de Mexico y del mundo, Mexico D.F.: Artes de Mexico.
  • N.N. (2012): Fotografía Contemporánea en Oaxaca, Oaxaca: Luna Zeta Ediciones.
  • Sánchez Vigil, Juan Miguel/Zaldua, María Olivera (2009): Fotoperiodismo y República, Mexico D.F.: Ediciones Cátedra.
  • SINAFO (2012): Alquimia No. 46 - 100 fotógrafos contemporáneos en México, Mexico D.F.: INAH.

Gerne nehme ich Hinweise für weitere wichtige Publikationen zu den beiden Themenbereichen entgegen und ergänze die Liste dementsprechend.