Montag, 18. September 2017

Ein einfacher und gefälliger Blick auf die Geschichte

Die iranisch-amerikanische Künstlerin Shirin Neshat ist eine wichtige Größe auf dem internationalen Kunstmarkt und hat ihre Arbeiten auf fast allen wichtigen internationalen Kunstfestivals gezeigt, wie z.B. der Biennale in Venedig. Zurzeit sind ihre Arbeiten in einer großen Retrospektive in der Tübinger Kunsthalle zu sehen. Darunter ist auch einer ihrer wichtigsten fotografischen Werkkomplexe, die Serie "Book of Kings".

Der Ursprung der Serie, der 2012 zum ersten Mal öffentlich gezeigt wurde, geht auf das Jahr 2010 zurück und war von der grünen Revolution im Iran und dem arabischen Frühling inspiriert. "Book of Kings" ist eine dreiteilige, inszenierte Porträtserie. In New York fotografierte Neshat aus dem Iran und der arabischen Welt stammende Menschen vor einem schwarzen Hintergrund. Die Porträtierten teilt Sie dabei in drei Gruppen ein: Patrioten, Schurken und Massen. Die Einteilung folgt dabei nicht persönlichen Merkmalen der Porträtierten, sondern einer willkürlichen Zuordnung der Künstlerin. Der Titel ist an das Nationalepos Shahnameh (The Book of Kings) des iranischen Dichters Abū ʾl-Qāsim Firdausī aus dem 10. Jahrhundert angelehnt.

Blick auf die Präsentation von "Book of Kings" in der Tübinger Ausstellung


 

Laut Neshat handelt es sich bei den drei Gruppen um "diejenigen, die die Macht bekämpfen, diejenigen, die die Macht innehaben, und diejenigen, die einfach unbeteiligte Zuschauer sind". Zahlenmäßig stellen die Massen die größte Gruppe dar. Die Menschen werden im Kopfporträt dargestellt. Die zweitgrößte Gruppe sind die Patrioten, im Brustporträt fotografiert und mit Hand auf dem Herz. Die kleinste Gruppe sind die Schurken, bestehend aus drei Ganzkörperporträts im mehr als lebensgroßem Format. Während sich bei den Massen und Patrioten Textzeilen auf dem Gesicht der Porträtierten befinden, zieren die Körper der Schurken Kriegsszenen aus historischen Zeichnungen.

In ihrer Bildsprache knüpft Neshat an ihre frühen Arbeiten an, vor allem die Serie "Woman of Allah", mit der sie in den 1990er Jahren internationalen Bekanntheitsgrad erlangte. Die persischen Schriftzeichen wirken damals wie heute ornamental und sind für die nicht des Persischen mächtigen Besucher nichts als eine schöne Oberfläche. Die Bilder von "The Book of Kings" wirken einfach und gefällig und wie ein billiger Abklatsch ihrer frühen Arbeit. Dies liegt nicht nur an der Bildsprache, sondern auch an der wahllosen Zuordnung der Porträtierten zu den drei Gruppen. Weder erfährt man, was Schurken, Patrioten oder Massen ausmacht, geschweige denn, ob jemand sowohl der einen wie der anderen Gruppe zugeordnet werden kann.

Blick auf die Präsentation von "Book of Kings" in der Tübinger Ausstellung


Die Texte könnten darauf vielleicht eine Antwort geben. Aber da diese in Persisch gehalten sind und weder die Künstlerin noch die Kuratoren es für nötig erachten, diese zu übersetzen, ist das Wissen darum, dass es sich um Texte von Autoren und Autorinnen, die im Iran unterdrückt werden, sowie um Briefe von Aktivisten der Grünen Bewegung aus dem Gefängnis handelt, nichts als eine Plattitüde. Was sich hier exemplarisch zeigt, ist was passiert, wenn eine Künstlerin wie Neshat die eigene Formensprache immer wieder aufleben lässt und thematisch in genau der Nische verbleibt, mit der sie groß geworden ist, die aber gleichzeitig auf Dauer die Gefahr birgt, vereinfachten Klischees zu erliegen, was sich in Tübingen gut beobachten lässt. Die Komplexität historischer Prozesse, die Zerrissenheit von Menschen in politischen Umbruchssituationen, all diese Themen verschwinden hinter der von orientalistischer Ornamentik überladenen Oberfläche.

Die Ausstellung "Shirin Neshat – Frauen in Gesellschaft" ist noch bis zum 29. Oktober in der Kunsthalle Tübingen zu sehen. Es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm, das sich inhaltlich vor allem mit der Situation von Frauen im Nahen und Mittleren Osten sowie der Fotografie und der Kunst der Region befasst.


Montag, 26. Juni 2017

"Das rechte Bild zur rechten Zeit"


Die akademische Ausbildung von Fotografen und Fotografinnen hat in Deutschland eine lange Tradition. Eine der ersten Hochschulen, die Anfang der 1970er Jahre den Studienschwerpunkt Foto-Design anbot, war die Fachhochschule Dortmund. Zu einer ähnlichen Zeit entstanden in Deutschland auch neue Journalistikstudiengänge, unter anderem an der TU Dortmund. Im Gespräch mit Felix Koltermann für das BFF Magazin reflektieren mit Prof. Dr. Claus Eurich, seit 1976 Kommunikationswissenschaftler an der TU Dortmund sowie Prof. Kai Jünemann, seit 2015 Professor für Werbefotografie an der FH Dortmund, zwei Generationen von Hochschullehrern die Bedingungen zeitgenössischer Fotografieausbildung.



FK: Der Markt ist überfüllt, Amateure machen den Profis in vielen Bereichen Konkurrenz, es gibt die Rede von der "Bilderflut". Warum soll man in dieser Situation noch Fotografen ausbilden?

KJ: Genau aus dem Grund wahrscheinlich. Weil wir mehr Bilder brauchen und mehr Bilder nutzen als vorher und deshalb verstärkt Lernen müssen, diese Bilder zu lesen und zu bestimmen um eine bessere Bildkompetenz zu entwickeln. Ich finde es erschreckend, wie schnell teilweise von ambitionierten Amateuren, aber auch von Studierenden und Profis, Bilder auf den Markt geschmissen werden, ohne sich wirklich Gedanken darüber zu machen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob der Markt wirklich kleiner geworden ist oder einfach breiter in die Masse geht und dadurch bestimmte Auftragsvolumen kleiner geworden sind.

CE: Es gibt da eine Parallelität zur Diskussion im Journalismus. Wir haben auch da eine Grenzverschiebung dessen was professioneller Journalismus ist und was es, verbreitet durch die sozialen Netzwerke, an "Informationsschrott" auf dem Markt gibt. Für die Nutzer und Nutzerinnern wird es dabei immer schwieriger zu unterscheiden, was Qualität ist und was nicht. Als professionelle Ausbilder – und das ist glaube ich im Bereich der Fotografie ähnlich – erinnert uns das daran, uns noch mehr auf die Qualitätsstandards zu besinnen. Wir müssen uns davor hüten, mit dem Strom zu schwimmen und Stück für Stück nachzugeben, nur weil es scheinbar eingefordert wird.

Das vollständige Interview ist im BFF Magazin #7 "Perspective Snapshots" zu lesen, das im Buchhandel oder direkt beim Berufsverband Freie Fotografie und Filmgestalter erhältlich ist.

Donnerstag, 22. Juni 2017

Von der Fotografie als Protest


Der israelisch-palästinensische Konflikt ist nicht nur einer der am längsten schwelenden internationalen Konflikte, er ist auch ein – häufig sehr umstrittenes – Thema der Nachrichten, insbesondere wenn es um Bilder geht. Oft geht es dabei um die Frage, wo Dokumentation aufhört und wo Aktivismus beginnt, wie subjektiv die Fotografen sein dürfen und ob Bilder manipuliert wurden. Einen klaren Punkt in dieser Debatte setzt das Buch "Activestills – Photography as Protest in Israel/Palestine".



Wie der Titel schon verrät, ordnet das im englischen Verlag Pluto Press erschienene Buch die Arbeit des Fotografenkollektivs "Activestills" als eine Form des Protests ein. Dies ist insofern geschickt, als dass damit zum einen ein klares Branding vorgenommen wird, zum anderen bestimmte Fragestellungen bzgl. des Verhältnisses von Subjektivität und Objektivität der Fotografen geschickt umgangen werden. Was die Fotografen des Kollektivs verbindet, ist ihre politische Vision. Angelegt ist dies schon im Gründungsgedanken der Gruppe, die sich im Jahr 2005 rund um die Dokumentation der Protest des palästinensischen Dorfes Bi'lin gegen den Bau der Sperranlage gebildet hat.
 
Im Laufe der 12 Jahre gab es wachsende Konstellationen des Kollektivs. Heute besteht es aus 10 internationalen, israelischen und palästinensischen Fotografen. Verändert hat sich der Fokus der Arbeit, der weg von den wöchentlichen Demonstrationen in der Westbank hin zu sozialen Themen und Kämpfen in Israel sowie zu anderen politischen Themen in Bezug zum israelischen Besatzungsregime ging. Auch die Arbeit des Kollektivs hat sich professionalisiert, bspw. über ein sehr umfangreiches Online-Archiv, ohne dass das Kollektiv sich damit in Richtung einer Foto-Agentur mit Vermarktungszielen entwickelt hätte. So ist die Nähe zu den sozialen Bewegungen und dem zivilen Widerstand ist geblieben, wenn nicht gar durch langjährige gemeinsame Praxis gewachsen.

Das mit 320 Seiten sehr umfangreiche Buch wurde aus Anlass des 10-jährigen Bestehens des Kollektivs publiziert. Auch wenn es viele Fotografien beinhaltet, ist es kein klassisches Fotobuch. Es ist in zwei Teile gegliedert, "Active" und "Stills". In beiden Teilen finden sich zu Beginn eher akademisch zu nennende Texte von versierten Autoren wie Ariella Azoulay, Vered Maimon, Meir Wigoder oder Simon Faulkner über Themen wie das Verhältnis von Protest und Fotografie, alternative Medien und fotografische Archive. Im ersten Teil gibt es dann je einseitige Statements von Aktivisten zur Arbeit des Kollektivs, während der zweite Teil die einzelnen Mitglieder des Kollektivs zu Wort kommen lässt.

Ein Beispiel für die Zirkulation der Bilder von Activestills innerhalb der politischen Bewegungen in der Region.

© Activestills


Innerhalb der publizistischen Landschaft zum Thema Fotografie und Israel/Palästina ist das Buch eine erfrischende Publikation. Geschickt führt es eine Vielzahl von akademischen und politischen Stimmen zusammen und zeichnet auf eindrückliche Weise die Bedeutung des Kollektivs für die sozialen Bewegungen der Region und den zivilen Widerstand gegen die israelische Besatzungspolitik nach. Toll ist zu sehen, wie in diesem Buch Kommentare von Vertretern der verschiedensten Bevölkerungsgruppen der Region Seite an Seite stehen und damit aufzeigen, dass ein gemeinsamer politischer Kampf möglich ist.

Vered Maimon/Shiraz Greenbaum: Activestills – Photography as Protest, London: Pluto Press, 320 Seite, ISBN: 978-0745336695, 24 Euro.

Webseite des Kollektivs: www.activestills.org


Montag, 19. Juni 2017

Autoreninterview zu "Fotoreporter im Konflikt"


Zu meinem im März bei transcript erschienen Buch ist auf der Webseite des Verlags ein kurzes Autoreninterview erschienen, dass ich an dieser Stelle teilen möchte. Es gibt einen kurzen Hintergrund zum Buchprojekt.


Warum ein Buch zu diesem Thema?

Wir sind tagtäglich von journalistischen Bildern umgeben, wissen aber viel zu wenig über deren Entstehungsbedingungen. Dazu kommt, dass der Nahostkonflikt sehr kontrovers diskutiert wird und nicht selten Manipulationsvorwürfe an Medien und vor allem an Bilder aus der Region gerichtet werden. Hier genauer hinzuschauen, erschien mir notwendig.

Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Mein Buch zeichnet sich durch eine doppelte Perspektive auf den Fotoreporter als Akteur aus. Aus einer konfliktwissenschaftlichen Perspektive geht es um den Fotoreporter als Akteur im Konflikt, aus  einer kommunikationswissenschaftlichen Perspektive um den Fotoreporter als Kommunikator. Die Kombination der beiden Perspektiven ermöglicht, fotojournalistisches Handeln im Konflikt umfassend zu diskutieren.

Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

In aktuellen Debatten um Fotojournalismus und Kriegsfotografie lässt sich eine starke Fokussierung auf das Einzelbild beobachten, wodurch die sozialen Praktiken, die konstitutiv für die zu diskutierenden Bildwelten sind, weitgehend aus dem Blick geraten. Genau diese Praktiken sind Gegenstand meiner Forschung und wurden in Form einer Kommunikatorstudie herausgearbeitet.

Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit den Protagonisten und Protagonistinnen des Buches, die sich die Zeit genommen haben, mir aus ihrer Erfahrung im internationalen Fotojournalismus in Israel/Palästina zu erzählen.

Ihr Buch in einem Satz:

Die Strukturen des Fotojournalismus und damit auch das Handeln der Akteure ist immer abhängig vom politischen System und dessen Herrschaftsstrukturen.

Wessen Interesse nun geweckt ist und wer einen detaillierteren Einblick in das Buch über den internationalen Fotojournalismus in Israel/Palästina bekommen möchte, der findet unter diesem Link eine kleine Leseprobe.

Freitag, 16. Juni 2017

Vortrag "Fotoreporter im Konflikt"


Auf Einladung der Offenen Fachhochschule der FH Dortmund habe ich am 28. April 2017 über das Thema "Fotoreporter im Konflikt - Der internationale Fotojournalismus in Israel/Palästina" referiert. Der Vortrag fand am Fachbereich Design statt und war gleichzeitig die Vorstellung meiner im transcript Verlag erschienenen Dissertation. Hier findet sich der Vortrag in voller Länger zum Anschauen.


Dienstag, 9. Mai 2017

Symposium "Images in Conflict"


Der Hannoveraner Studiengang "Fotojournalismus und Dokumentarfotografie" richtet am 17. und 18. Mai ein Symposium zum Thema "Images in Conflict" aus. Ziel des Symposiums ist es, in einen Austausch über zeitgenössische Praktiken über Bilder aus Konfliktregionen zu treten. Dabei treffen Expert_innen aus Theorie und Praxis aufeinander um in einen Diskurs über visuelle Zeugenschaft und emotionale Überzeugungskraft zu treten. Gäste sind unter anderem Geert van Kesteren, Dr. Vera Brandner, Prof. Adam Bromberg, Philipp Müller, Stephen Mayes, Santiago Lyon  und andere. Ich werde dort aus einer Akteursperspektive über den internationalen Fotojournalismus in Israel/Palästina sprechen Parallel zum Symposium wird in der "GAF – Galerie in der Eisfabrik" in Hannover eine Ausstellung zum Thema mit Arbeiten von Christoph Bangert, Edmund Clark, Harun Farocki, Ziyah Gafić, und anderen eröffnet.

Hier ein Auszug aus der Ankündigung der Veranstalter_innen:

"Bilder im Konflikt: fotografische und filmische Bilder von Krisen- und Konfliktsituationen verändern sich in Ästhetik und Gebrauchsweisen – und geraten damit selbst ins Visier. Zum einen haben sich im Zuge der digitalen Entwicklungen die BildproduzentInnen und Distributionskanäle von Bildern vervielfältigt. Das erweitert Perspektiven und ermöglicht neue Erzählformen. Zum anderen geht damit eine Erschütterung des klassischen bildjournalistischen Selbstverständnisses einher. Die Konkurrenz der visuellen Strategien sucht das Affektpotential der Bilder zu steigern. Zugleich wird hinterfragt, inwieweit Fotografien noch als Zeugnisse wirken können. Sie bewegen sich im Spannungsfeld von Wahrheitsansprüchen zwischen Authentizität, Objektivität und Propaganda. Ihre Kontextualisierungen und Rahmungen stellen Bedeutungen her – und erfordern Reflexion".

Veranstaltungsort des Symposiums ist das Auditorium in der Hochschule Hannover, Expo Plaza 2, 30539 Hannover. Die Vorträge finden teils in englischer (e), teils in deutscher (d) Sprache statt. Ein Dolmetscherservice wird auf vorherige Anfrage angeboten. Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung per email unter: image-matters@hs-hannover.de wird gebeten. Das komplette Programm findet sich auf der Webseite "Images Matter" die in Zukunft als Onlineplattform zu Thema ausgebaut werden soll.

Sonntag, 16. April 2017

Fotojournalismus verkommt zur Visualisierung


In der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung von Ostern 2017 lässt sich ein trauriges Beispiel dafür finden, wie der Fotojournalismus in deutschen Medien immer stärker zu purer Illustration verkommt und gleichzeitig der Leser in die Irre geführt wird. Auf Seite 51 in der Rubrik Gesellschaft findet sich der Artikel "Endstation Lenin", eine Reportage des freien SZ Autors Jan Stremmel aus Transnistrien. Auf der rechten Seite finden sich relativ großformatig vier untereinander stehende Bilder des Fotografen Emile Ducke. Unter dem Teaser des Artikels steht "Text: Jan Stremmel, Fotos: Emile Ducke". Dies ist für den Leser zusammen mit dem Reportagestil des Textes und dem "wir" das dort benutzt wird in der Regel ein Hinweis dafür, das Autor und Fotograf zusammen unterwegs waren. Leider ist dem nicht der Fall, da die Bilder von Emile Ducke schon zwei Jahre alt sind und seit 2015 im Netz zu finden sind. Ich bin nur stutzig geworden, weil Emile Ducke mit seiner Serie aus Transnistrien einige Preise gewonnen hat und die Bilder deswegen recht oft zu sehen waren. In den Bildunterschriften findet sich jedoch kein Hinweis darauf, dass die Bilder aus dem Jahr 2015 sind und nicht auf der Reise mit Jan Stremmel entstanden sind. Dies ist mindestens ein handwerklicher Fehler.



Nun könnte man sagen, dabei handelt es sich um alltägliche Praxis wie deutsche Medien Visualisierung im Journalismus betreiben. Das ist auf jeden Fall ein Fakt und deswegen auch eher der Redaktion bzw. der Bildredaktion als dem Fotografen und Texter anzulasten. Aber ich denke, dass der Fall auch eine tiefere Bedeutungsebene hat. Denn ich glaube, dass diese Form der Visualisierung die Glaubwürdigkeit journalistischer Bilder an sich untergräbt. Denn wenn ich in diesem Fall alte Bilder mit aktuellem Text kombiniere, ohne dies zu benennen, warum soll der Leser dann in anderen Fällen den Reportagen Glaubwürdigkeit schenken, wo Fotograf un Texter tatsächlich zusammen vor Ort waren? Oder ist dies einfach nicht mehr wichtig? Dabei geht es hier explizit um Reportagen, da die hier zu sehende Praxis, dass Artikel mit Agenturfotos kombiniert werden, im tagesaktuellen Journalismus schon lange den Alltag darstellt. Für mich ist es jedoch ein fragwürdiges und trauriges Beispiel dafür, wie eine tolle Fotoreportage zur Visualisierung verkommt und der Qualitätsjournalismus seine eigene Glaubwürdigkeit untergräbt.

P.S.: In der Online-Ausgabe der SZ ist der Fall ähnlich gelagert. Dort sind, ganz ähnlich gerahmt wie im Print-Artikel, neun Bilder als Galerie zu finden.