Montag, 26. Juni 2017

"Das rechte Bild zur rechten Zeit"


Die akademische Ausbildung von Fotografen und Fotografinnen hat in Deutschland eine lange Tradition. Eine der ersten Hochschulen, die Anfang der 1970er Jahre den Studienschwerpunkt Foto-Design anbot, war die Fachhochschule Dortmund. Zu einer ähnlichen Zeit entstanden in Deutschland auch neue Journalistikstudiengänge, unter anderem an der TU Dortmund. Im Gespräch mit Felix Koltermann für das BFF Magazin reflektieren mit Prof. Dr. Claus Eurich, seit 1976 Kommunikationswissenschaftler an der TU Dortmund sowie Prof. Kai Jünemann, seit 2015 Professor für Werbefotografie an der FH Dortmund, zwei Generationen von Hochschullehrern die Bedingungen zeitgenössischer Fotografieausbildung.



FK: Der Markt ist überfüllt, Amateure machen den Profis in vielen Bereichen Konkurrenz, es gibt die Rede von der "Bilderflut". Warum soll man in dieser Situation noch Fotografen ausbilden?

KJ: Genau aus dem Grund wahrscheinlich. Weil wir mehr Bilder brauchen und mehr Bilder nutzen als vorher und deshalb verstärkt Lernen müssen, diese Bilder zu lesen und zu bestimmen um eine bessere Bildkompetenz zu entwickeln. Ich finde es erschreckend, wie schnell teilweise von ambitionierten Amateuren, aber auch von Studierenden und Profis, Bilder auf den Markt geschmissen werden, ohne sich wirklich Gedanken darüber zu machen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob der Markt wirklich kleiner geworden ist oder einfach breiter in die Masse geht und dadurch bestimmte Auftragsvolumen kleiner geworden sind.

CE: Es gibt da eine Parallelität zur Diskussion im Journalismus. Wir haben auch da eine Grenzverschiebung dessen was professioneller Journalismus ist und was es, verbreitet durch die sozialen Netzwerke, an "Informationsschrott" auf dem Markt gibt. Für die Nutzer und Nutzerinnern wird es dabei immer schwieriger zu unterscheiden, was Qualität ist und was nicht. Als professionelle Ausbilder – und das ist glaube ich im Bereich der Fotografie ähnlich – erinnert uns das daran, uns noch mehr auf die Qualitätsstandards zu besinnen. Wir müssen uns davor hüten, mit dem Strom zu schwimmen und Stück für Stück nachzugeben, nur weil es scheinbar eingefordert wird.

Das vollständige Interview ist im BFF Magazin #7 "Perspective Snapshots" zu lesen, das im Buchhandel oder direkt beim Berufsverband Freie Fotografie und Filmgestalter erhältlich ist.

Donnerstag, 22. Juni 2017

Von der Fotografie als Protest


Der israelisch-palästinensische Konflikt ist nicht nur einer der am längsten schwelenden internationalen Konflikte, er ist auch ein – häufig sehr umstrittenes – Thema der Nachrichten, insbesondere wenn es um Bilder geht. Oft geht es dabei um die Frage, wo Dokumentation aufhört und wo Aktivismus beginnt, wie subjektiv die Fotografen sein dürfen und ob Bilder manipuliert wurden. Einen klaren Punkt in dieser Debatte setzt das Buch "Activestills – Photography as Protest in Israel/Palestine".



Wie der Titel schon verrät, ordnet das im englischen Verlag Pluto Press erschienene Buch die Arbeit des Fotografenkollektivs "Activestills" als eine Form des Protests ein. Dies ist insofern geschickt, als dass damit zum einen ein klares Branding vorgenommen wird, zum anderen bestimmte Fragestellungen bzgl. des Verhältnisses von Subjektivität und Objektivität der Fotografen geschickt umgangen werden. Was die Fotografen des Kollektivs verbindet, ist ihre politische Vision. Angelegt ist dies schon im Gründungsgedanken der Gruppe, die sich im Jahr 2005 rund um die Dokumentation der Protest des palästinensischen Dorfes Bi'lin gegen den Bau der Sperranlage gebildet hat.
 
Im Laufe der 12 Jahre gab es wachsende Konstellationen des Kollektivs. Heute besteht es aus 10 internationalen, israelischen und palästinensischen Fotografen. Verändert hat sich der Fokus der Arbeit, der weg von den wöchentlichen Demonstrationen in der Westbank hin zu sozialen Themen und Kämpfen in Israel sowie zu anderen politischen Themen in Bezug zum israelischen Besatzungsregime ging. Auch die Arbeit des Kollektivs hat sich professionalisiert, bspw. über ein sehr umfangreiches Online-Archiv, ohne dass das Kollektiv sich damit in Richtung einer Foto-Agentur mit Vermarktungszielen entwickelt hätte. So ist die Nähe zu den sozialen Bewegungen und dem zivilen Widerstand ist geblieben, wenn nicht gar durch langjährige gemeinsame Praxis gewachsen.

Das mit 320 Seiten sehr umfangreiche Buch wurde aus Anlass des 10-jährigen Bestehens des Kollektivs publiziert. Auch wenn es viele Fotografien beinhaltet, ist es kein klassisches Fotobuch. Es ist in zwei Teile gegliedert, "Active" und "Stills". In beiden Teilen finden sich zu Beginn eher akademisch zu nennende Texte von versierten Autoren wie Ariella Azoulay, Vered Maimon, Meir Wigoder oder Simon Faulkner über Themen wie das Verhältnis von Protest und Fotografie, alternative Medien und fotografische Archive. Im ersten Teil gibt es dann je einseitige Statements von Aktivisten zur Arbeit des Kollektivs, während der zweite Teil die einzelnen Mitglieder des Kollektivs zu Wort kommen lässt.

Ein Beispiel für die Zirkulation der Bilder von Activestills innerhalb der politischen Bewegungen in der Region.

© Activestills


Innerhalb der publizistischen Landschaft zum Thema Fotografie und Israel/Palästina ist das Buch eine erfrischende Publikation. Geschickt führt es eine Vielzahl von akademischen und politischen Stimmen zusammen und zeichnet auf eindrückliche Weise die Bedeutung des Kollektivs für die sozialen Bewegungen der Region und den zivilen Widerstand gegen die israelische Besatzungspolitik nach. Toll ist zu sehen, wie in diesem Buch Kommentare von Vertretern der verschiedensten Bevölkerungsgruppen der Region Seite an Seite stehen und damit aufzeigen, dass ein gemeinsamer politischer Kampf möglich ist.

Vered Maimon/Shiraz Greenbaum: Activestills – Photography as Protest, London: Pluto Press, 320 Seite, ISBN: 978-0745336695, 24 Euro.

Webseite des Kollektivs: www.activestills.org


Montag, 19. Juni 2017

Autoreninterview zu "Fotoreporter im Konflikt"


Zu meinem im März bei transcript erschienen Buch ist auf der Webseite des Verlags ein kurzes Autoreninterview erschienen, dass ich an dieser Stelle teilen möchte. Es gibt einen kurzen Hintergrund zum Buchprojekt.


Warum ein Buch zu diesem Thema?

Wir sind tagtäglich von journalistischen Bildern umgeben, wissen aber viel zu wenig über deren Entstehungsbedingungen. Dazu kommt, dass der Nahostkonflikt sehr kontrovers diskutiert wird und nicht selten Manipulationsvorwürfe an Medien und vor allem an Bilder aus der Region gerichtet werden. Hier genauer hinzuschauen, erschien mir notwendig.

Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Mein Buch zeichnet sich durch eine doppelte Perspektive auf den Fotoreporter als Akteur aus. Aus einer konfliktwissenschaftlichen Perspektive geht es um den Fotoreporter als Akteur im Konflikt, aus  einer kommunikationswissenschaftlichen Perspektive um den Fotoreporter als Kommunikator. Die Kombination der beiden Perspektiven ermöglicht, fotojournalistisches Handeln im Konflikt umfassend zu diskutieren.

Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

In aktuellen Debatten um Fotojournalismus und Kriegsfotografie lässt sich eine starke Fokussierung auf das Einzelbild beobachten, wodurch die sozialen Praktiken, die konstitutiv für die zu diskutierenden Bildwelten sind, weitgehend aus dem Blick geraten. Genau diese Praktiken sind Gegenstand meiner Forschung und wurden in Form einer Kommunikatorstudie herausgearbeitet.

Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit den Protagonisten und Protagonistinnen des Buches, die sich die Zeit genommen haben, mir aus ihrer Erfahrung im internationalen Fotojournalismus in Israel/Palästina zu erzählen.

Ihr Buch in einem Satz:

Die Strukturen des Fotojournalismus und damit auch das Handeln der Akteure ist immer abhängig vom politischen System und dessen Herrschaftsstrukturen.

Wessen Interesse nun geweckt ist und wer einen detaillierteren Einblick in das Buch über den internationalen Fotojournalismus in Israel/Palästina bekommen möchte, der findet unter diesem Link eine kleine Leseprobe.

Freitag, 16. Juni 2017

Vortrag "Fotoreporter im Konflikt"


Auf Einladung der Offenen Fachhochschule der FH Dortmund habe ich am 28. April 2017 über das Thema "Fotoreporter im Konflikt - Der internationale Fotojournalismus in Israel/Palästina" referiert. Der Vortrag fand am Fachbereich Design statt und war gleichzeitig die Vorstellung meiner im transcript Verlag erschienenen Dissertation. Hier findet sich der Vortrag in voller Länger zum Anschauen.


Dienstag, 9. Mai 2017

Symposium "Images in Conflict"


Der Hannoveraner Studiengang "Fotojournalismus und Dokumentarfotografie" richtet am 17. und 18. Mai ein Symposium zum Thema "Images in Conflict" aus. Ziel des Symposiums ist es, in einen Austausch über zeitgenössische Praktiken über Bilder aus Konfliktregionen zu treten. Dabei treffen Expert_innen aus Theorie und Praxis aufeinander um in einen Diskurs über visuelle Zeugenschaft und emotionale Überzeugungskraft zu treten. Gäste sind unter anderem Geert van Kesteren, Dr. Vera Brandner, Prof. Adam Bromberg, Philipp Müller, Stephen Mayes, Santiago Lyon  und andere. Ich werde dort aus einer Akteursperspektive über den internationalen Fotojournalismus in Israel/Palästina sprechen Parallel zum Symposium wird in der "GAF – Galerie in der Eisfabrik" in Hannover eine Ausstellung zum Thema mit Arbeiten von Christoph Bangert, Edmund Clark, Harun Farocki, Ziyah Gafić, und anderen eröffnet.

Hier ein Auszug aus der Ankündigung der Veranstalter_innen:

"Bilder im Konflikt: fotografische und filmische Bilder von Krisen- und Konfliktsituationen verändern sich in Ästhetik und Gebrauchsweisen – und geraten damit selbst ins Visier. Zum einen haben sich im Zuge der digitalen Entwicklungen die BildproduzentInnen und Distributionskanäle von Bildern vervielfältigt. Das erweitert Perspektiven und ermöglicht neue Erzählformen. Zum anderen geht damit eine Erschütterung des klassischen bildjournalistischen Selbstverständnisses einher. Die Konkurrenz der visuellen Strategien sucht das Affektpotential der Bilder zu steigern. Zugleich wird hinterfragt, inwieweit Fotografien noch als Zeugnisse wirken können. Sie bewegen sich im Spannungsfeld von Wahrheitsansprüchen zwischen Authentizität, Objektivität und Propaganda. Ihre Kontextualisierungen und Rahmungen stellen Bedeutungen her – und erfordern Reflexion".

Veranstaltungsort des Symposiums ist das Auditorium in der Hochschule Hannover, Expo Plaza 2, 30539 Hannover. Die Vorträge finden teils in englischer (e), teils in deutscher (d) Sprache statt. Ein Dolmetscherservice wird auf vorherige Anfrage angeboten. Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung per email unter: image-matters@hs-hannover.de wird gebeten. Das komplette Programm findet sich auf der Webseite "Images Matter" die in Zukunft als Onlineplattform zu Thema ausgebaut werden soll.

Sonntag, 16. April 2017

Fotojournalismus verkommt zur Visualisierung


In der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung von Ostern 2017 lässt sich ein trauriges Beispiel dafür finden, wie der Fotojournalismus in deutschen Medien immer stärker zu purer Illustration verkommt und gleichzeitig der Leser in die Irre geführt wird. Auf Seite 51 in der Rubrik Gesellschaft findet sich der Artikel "Endstation Lenin", eine Reportage des freien SZ Autors Jan Stremmel aus Transnistrien. Auf der rechten Seite finden sich relativ großformatig vier untereinander stehende Bilder des Fotografen Emile Ducke. Unter dem Teaser des Artikels steht "Text: Jan Stremmel, Fotos: Emile Ducke". Dies ist für den Leser zusammen mit dem Reportagestil des Textes und dem "wir" das dort benutzt wird in der Regel ein Hinweis dafür, das Autor und Fotograf zusammen unterwegs waren. Leider ist dem nicht der Fall, da die Bilder von Emile Ducke schon zwei Jahre alt sind und seit 2015 im Netz zu finden sind. Ich bin nur stutzig geworden, weil Emile Ducke mit seiner Serie aus Transnistrien einige Preise gewonnen hat und die Bilder deswegen recht oft zu sehen waren. In den Bildunterschriften findet sich jedoch kein Hinweis darauf, dass die Bilder aus dem Jahr 2015 sind und nicht auf der Reise mit Jan Stremmel entstanden sind. Dies ist mindestens ein handwerklicher Fehler.



Nun könnte man sagen, dabei handelt es sich um alltägliche Praxis wie deutsche Medien Visualisierung im Journalismus betreiben. Das ist auf jeden Fall ein Fakt und deswegen auch eher der Redaktion bzw. der Bildredaktion als dem Fotografen und Texter anzulasten. Aber ich denke, dass der Fall auch eine tiefere Bedeutungsebene hat. Denn ich glaube, dass diese Form der Visualisierung die Glaubwürdigkeit journalistischer Bilder an sich untergräbt. Denn wenn ich in diesem Fall alte Bilder mit aktuellem Text kombiniere, ohne dies zu benennen, warum soll der Leser dann in anderen Fällen den Reportagen Glaubwürdigkeit schenken, wo Fotograf un Texter tatsächlich zusammen vor Ort waren? Oder ist dies einfach nicht mehr wichtig? Dabei geht es hier explizit um Reportagen, da die hier zu sehende Praxis, dass Artikel mit Agenturfotos kombiniert werden, im tagesaktuellen Journalismus schon lange den Alltag darstellt. Für mich ist es jedoch ein fragwürdiges und trauriges Beispiel dafür, wie eine tolle Fotoreportage zur Visualisierung verkommt und der Qualitätsjournalismus seine eigene Glaubwürdigkeit untergräbt.

P.S.: In der Online-Ausgabe der SZ ist der Fall ähnlich gelagert. Dort sind, ganz ähnlich gerahmt wie im Print-Artikel, neun Bilder als Galerie zu finden.

Donnerstag, 23. März 2017

Neues Buch "Fotoreporter im Konflikt"


Im März 2017 ist im Bielefelder Transcript-Verlag meine an der Universität Erfurt verfasste Dissertation unter dem Titel "Fotoreporter im Konflikt – Der internationale Fotojournalismus in Israel/Palästina" erschienen. Damit findet das Rechercheprojekt über die Akteure und Strukturen des internationalen Fotojournalismus in der Region, das auch für die Gründung dieses Projekt Pate stand, einen ersten Abschluss.


Hier noch der Ankündigungstext des Verlags bzw. der Klappentext zum Buch:

"Das Handeln von Fotojournalisten in Konflikten stellt einen bisher wenig beachteten Teilbereich des Auslands- und Konfliktjournalismus dar. Felix Koltermann wirft erstmals in Form einer vergleichenden Kommunikatorstudie einen differenzierten Blick auf journalistisches Handeln internationaler, israelischer und palästinensischer Fotoreporter in Israel/Palästina. Ausgehend von 40 qualitativen Interviews arbeitet er Unterschiede in den Routinen und Praktiken der Nachrichten- und Dokumentarfotografie heraus und rekonstruiert den Einfluss des israelischen Besatzungsregimes auf die Akteure und Strukturen des internationalen Fotojournalismus in der Region".

Erscheinungstermin 03/2017, 458 Seiten, ISBN 978-3-8376-3694-9, 49,99 Euro
http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3694-9/fotoreporter-im-konflikt
Unter diesem Link gibt es eine Leseprobe zum runterladen, die das Inhaltsverzeichnis und die Einleitung des Buches umfasst.

Donnerstag, 9. März 2017

Vorträge im Frühjahr 2017


Hier die Ankündigung und Einladung zu zwei Vorträgen und einer Lesung von mir im Frühjahr 2017, bei denen es vor allem Fotografie in Israel/Palästina geht.
 
Bei einem Vortrag im Jahr 2015 in der Galerie Zephyr in Mannheim © Lina Kaluza, rem

Spuren im Raum – Landschaftsfotografie aus Israel

Donnerstag, 16. März, 19 Uhr
Galerie BOHAI, Schwarzer Bär 6, 30449 Hannover

Landschaften sind von Menschen gemachte Orte, in die sich soziale und politische Realitäten einschreiben. Nirgendwo wird dies klarer deutlich als in Israel. Die Geschichte des zionistischen Staates sowie des Konflikts mit den Palästinensern hat sich dort tief in die Kulturlandschaft eingegraben. Im Vortrag wird der Medienwissenschaftler Felix Koltermann ein Panorama fotografischer Ansätze von Künstlern aus Israel entfalten, die sich auf unterschiedliche Art und Weise mit diesem Phänomen beschäftigen.

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Vorstellung von Heft 1/2017 der Zeitschrift israel & palästina 
über Fotografie in Israel/Palästina

Im Rahmen von Leipzig liest, 24. März 2017, 19 Uhr
Tapetenwerk | Studio B03 (Haus B, EG), Lützner Str. 91, 04177, Leipzig

Die Fotografie leistet einen wesentlichen Beitrag dazu, wie Israel und die besetzten palästinensischen Gebiete weltweit wahrgenommen werden und welcher Eindruck des seit über 6 Jahrzehnten schwelenden Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern entsteht. Dabei ist die Geschichte der Fotografie in der Region aufs Engste mit dem Konflikt verzahnt. So förderten internationale Fotografen, die die Fotografie in die Region brachten, ein orientalistisch verklärtes Bild der Region, während die zionistische Bewegung auf die Kraft propagandistischer Bilder zur Verklärung ihres Kolonialisierungsprojekts vertraute. Heute ist die Region nicht nur ein Hotspot des internationalen Fotojournalismus, sondern verfügt über eine sehr spannende – und zu weiten Teilen sehr politisierte – Fotoszene.

Ziel des Scherpunktheftes ist es, diesem Themenkomplex nachzugehen. Dabei geht es zum einen darum, die Bedeutung des Nachrichtenzentrums Nahostkonflikts für den internationalen Fotojournalismus aufzuzeigen. Zum anderen soll ein Einblick in die lokale israelische und palästinensische Fotoszene und deren Geschichte und gegenseitige Verschränkungen gegeben werden. Dies geschieht mit Texten verschiedener lokaler und internationaler Autoren sowie über Interviews mit lokalen Akteuren der Fotoszene.
Ort

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Fotoreporter im Konflikt - Der internationale Fotojournalismus in Israel/Palästina

Offene Fachhochschule – FH Dortmund
18:30 Uhr, Großer Hörsaal, FB Design, Max-Ophüls-Platz

Der israelisch-palästinensische Konflikt ist einer der am längsten schwelenden Konflikte weltweit. Als solcher ist er nicht nur ein wichtiger Gegenstand internationaler Berichterstattung, sondern auch ein Hotspot für den Fotojournalismus. Lokale wie internationale Fotoreporter arbeiten zu Dutzenden in der Region und versorgen den Bildermarkt Nahostkonflikt.

In seinem im Transcript Verlag erschienen Buch "Fotoreporter im Konflikt" untersucht Felix Koltermann das fotojournalistische Handeln internationaler, israelischer und palästinensischer Fotoreporter am Produktionsstandort Israel/Palästina. Er arbeitet die Unterschiede in den Routinen und Praktiken der Nachrichten- und Dokumentarfotografie heraus und rekonstruiert den Einfluss des israelischen Besatzungsregimes auf die Akteure und Strukturen des internationalen Fotojournalismus in der Region.


Freitag, 24. Februar 2017

Den Ball flach halten

Es ist schon fast ein erwartbarer Mechanismus, wie er wohl zu allen großen Preisverleihungen unserer Zeit gehört. So auch zur Wahl zum Pressefoto des Jahres. Kaum verkündete Mitte des Monats die Amsterdamer World Press Foundation ihre Entscheidung, schossen die Kritiken ins Land. Dieses Mal, so die Kritiker, habe man dem menschenverachtenden Terror ein Forum geboten und sich in einem komplexen politischen Konflikt auf die Seite einer Partei gestellt.

Grundsätzlich ist dabei nicht zu bestreiten, dass das diesjährige Gewinnerbild des türkischen AP Fotografen Burhan Ozbilici gleich in mehrfacher Hinsicht verstört. Zuerst einmal zeigt es einen Täter. Und nicht nur das, es ist ein Täter in Siegerpose, der, so lassen uns viele Berichte über die Hintergründe des Bildes wissen, auch noch "Gott ist groß" rief, als er den Mord am russischen Botschafter Andrej Karlow beging. Dies verstört, sind wir doch eher gewohnt, Opfer in hilflosen Posen zu sehen, als Täter in Siegesgewissheit. Des Weiteren zeigt das Foto eine Leiche. Auch dies ist eher eine Ausnahme in der aktuellen Berichterstattung und eher ein Bruch ethischer Richtlinien. Immerhin sind weder die Gesichtszüge des Toten zu sehen noch Verletzungen oder Blut.

Burhan Ozbilicis Bild ist im besten Sinne eine fotojournalistische Momentaufnahme. Der Fotograf war, so grausam es klingt, zu richtigen Zeit am richtigen Ort um festzuhalten, wie Mevlüt Mert Altintas den russischen Botschafter bei einer Ausstellungseröffnung in Ankara erschoss. Das war Glück. Ozbilici tat, wofür er ausgebildet worden war. Glück war es auch, dass er durch das Fotografieren nicht selbst zur Zielscheibe des Mörders wurde. Das Bild bekommt seine Bedeutung auch dadurch, dass gerade diese Art von Bildern immer weniger von professionellen Fotografen und immer öfter von Amateuren aufgenommen werden. Insofern ist die Preisverleihung auch eine Huldigung an die professionelle Augenzeugenschaft. Und die muss nicht immer nur positive Nachrichten zu Tage bringen.

Nicht vergessen sollte man jedoch, dass weder die World Press Photo Foundation noch die Medien, in denen die Gewinnerbilder publiziert werden, altruistisch handeln. Sie sind Teil einer Ökonomie der Aufmerksamkeit in der alle Seiten von der Kontroverse profitieren. Die World Press Photo Foundation ist dabei die Speerspitze einer "standard setting industry" von Festivals und Wettbewerben im Bereich des Fotojournalismus. Wie weit deren Vermarktungslogik gehen kann, zeigt eine Initiative von World Press Photo aus dem vergangenen Jahr, auch Prints der Gewinnerbilder zu verkaufen. Ob dies auch mit dem Foto von Ozbilic geschehen wird? Und für die Medien sind die Gratisbilder der Preisgewinner ein willkommener Anlass, um Online Bildergalerien zu generieren und mit wenig Aufwand und Geld hohe Klickzahlen und damit Werbeeinahmen generieren zu können. Angesichts dieser Entwicklungen und den gemeinsamen Interessen der verschiedenen Akteure kommt die Kritik am Gewinnerbild etwas schal daher. 

Zuerst erschienen am 16. Februar 2017 bei M - Menschen machen Medien.

Mittwoch, 15. Februar 2017

Auf den Spuren des deutschen Kolonialismus


Zumindest für Berliner, die mit offenen Augen durch die Stadt gehen und fahren, ist die deutsche Kolonialgeschichte gar nicht so weit weg, wie sie vermeintlich scheint. Ob es die Mohrenstrasse in Mitte ist oder das Afrikanische Viertel im Wedding mit Namen wie der Lüderitzstrasse: Hier ist Kolonialgeschichte und -gegenwart präsent. Neben der großen historischen Ausstellung "Deutscher Kolonialismus – Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart" zeigt das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin noch bis Ende Februar eine beeindruckende Fotoausstellung zum Thema von Andréas Lang.

Andréas Lang, Residentur Kamerun, 2012 © Andréas Lang

Auf den Spuren seines Urgroßvaters, der zwischen 1909 und 1911 bei den sogenannten Schutztruppen der deutschen Kolonie Kamerun diente, bereiste Andréas Lang zwischen 2011 und 2015 mehrmals die Länder Tschad, Kamerun, die Zentralafrikanische Republik sowie das Grenzgebiet des Kongo. Die dabei entstandenen Fotografien und Videoinstallationen setzen sich intensiv mit den Hinterlassenschaften der deutschen Kolonialgeschichte in Afrika auseinander. Die Ausstellung "Kamerun und Kongo – Eine Spurensuche und Phantomgeographie" ist dabei die bisher größte Einzelausstellung von Andréas Lang. Zur Motivation, diese Arbeit zu machen, sagte Andreas in einem Interview für das Neue Deutschland:

"Ausgangspunkt war der Fund eines Tagebuchs und eines Fotoalbums meines Urgroßvaters auf dem Dachboden meiner Mutter. Dieses Material hat mich sehr beeindruckt. (...) Es war klar, dass es hier um deutsche Geschichte und ganz konkret die Kolonialgeschichte geht. Und plötzlich tat sich bei mir ein Panorama an Imaginärem auf, das aber in Bezug zu etwas ganz Konkreten, Historischen stand. Und gleichzeitig hatte ich ein fast unerforschtes Kapitel deutscher Kolonialgeschichte vor mir. Dieses Kapitel der Landnahme und Grenzziehung in Französisch-Kongo ist etwas, von dem kaum einer etwas weiß".

Die Besonderheit der Ausstellung ist, dass Andréas Lang nicht nur mit seinen eigenen Bildern aus der Region arbeitet, sondern auch historische Bildkonvolute miteinbezieht. Wie er damit umgeht, dazu bezog er ebenfalls im Interview Stellung:

"Mir war wichtig, die ungeschminkte Realität und das Ungeschönte des Kolonialismus sichtbar zu machen, die sich in diesen Bildern findet. Deswegen werden die Bilder in der Ausstellung groß an die Wand projiziert. Es war ein Glücksfall, dass ich die Privatalben des Offiziers Jesco von Puttkamer und des bayrischen Eisenbahningenieurs Sedlmayr, der die Idea-Mittellandbahn gebaut hat, überhaupt entdeckt habe. Das war auch deswegen wichtig, um durch eine Aufarbeitung der historischen Dimension über meine eigene Familiengeschichte hinauszugehen".

An Andréas Lang (Familien)Geschichte ist nicht nur der Urgroßvater und dessen Kolonialvergangenheit interessant. Nicht minder spannend ist Langs eigene Sozialisation im kleinbürgerlichen rheinlandpfälzischen Zweibrücken. Den Ausbruch von dort hin zur beachteten künstlerisch Fotografie schaffte er unter anderem mit Hilfe der Punkband "Nasse Hunde", in der er zwischen 1983 und 1985 spielte.

Das komplette Interview ist für Abonnenten des Neuen Deutschland zu lesen. Die Ausstellung von Andréas Lang läuft noch bis zum 26. Februar 2016 im DHM und ist täglich zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet (Eintritt 8 Euro, Ermäßigt 4 Euro; Unter den Linden 2, 10117 Berlin).

Montag, 6. Februar 2017

Sicherheit von Daten im Konflikt


Wenn es um die Arbeit von Journalisten und Fotografen in Konflikten und Kriegen geht, dann steht neben den Schwierigkeiten bei Recherche und Produktion von Bildmaterial meist die physische Sicherheit als Thema im Vordergrund. Dies ist insofern zutreffend, als dass der Journalismus in Krisenregionen ein gefährliches Geschäft ist. Eher selten wird thematisiert, dass auch die Daten der Journalisten, seien es Audio-, Bild oder Filmdateien eine Gefahr darstellen können. Dies gilt sowohl für die Urheber dieser Daten als auch diejenigen die in diesen Daten als Zeugen oder Quellen vorkommen. Einen neuen Anlauf, das Thema ernster zu nehmen haben 150 Fotografen und Kameraleute gestartet und einen offenen Brief an die Kamerahersteller Nikon, Olympus und Sony geschrieben, in der sie eine Datenverschlüsselung für professionelle Kameras fordern.

Initiiert wurde der offene Brief (https://www.documentcloud.org/documents/3238288-Camera-Encryption-Letter.html) von der Freedom of the Press Foundation (FPF) (https://freedom.press/news/over-150-filmmakers-and-photojournalists-call-major-camera-manufacturers-build-encryption-their-cameras/) aus San Francisco. Zu den Erstunterzeichnern gehörten bekannte Fotograf_innen wie Lynsey Addario, Susan Meiselas oder Abbas vom der Agentur Magnum. Begründet wurde das Ansinnen damit, dass das Konfiszieren von Kameras mittlerweile zu einem alltäglichen Repressionsinstrument gegenüber Fotojournalist_innen und Kameraleuten geworden ist. Da professionelle Kameras nicht standardmäßig mit Verschlüsselungssoftware ausgestattet sind, gelangen somit Bilder und Videos immer wieder in die falschen Hände.

Der komplette Artikel mit Statements zum Thema von deutschen Fotografen findet sich auf dem Portal M Online der DJU in ver.di.

Freitag, 27. Januar 2017

Aktuelle Artikel aus dem Winter

Anbei findet sich eine kleine Übersicht mit Artikeln, die im Winter 2016 von mir in verschiedenen Medien veröffentlicht wurden.


Eine Antwort auf die publizistische Krise?

Vermutlich waren noch nie so viele Fotobücher im Umlauf wie heute. Zumindest für diesen Bereich der gedruckten Fotografie kann also keinesfalls mehr von einer Krise, sondern eher von einer neuen Aufbruchsstimmung gesprochen werden. Teil der damit verbundenen, neuen Fotobuch-Euphorie sind Projekte, die sich dem Sammeln, Bewahren und Zeigen unterschiedlichster Formen von Fotobüchern verschrieben haben. Eines der bekanntesten Projekte ist Self Publish Be Happy aus London. Mit dem Gründer des Projekts, Bruno Ceschel, sprach Felix Koltermann auf den EMOP Opening Days im Oktober in Berlin.

Erschienen in der Ausgabe 12/16-1/17 der Zeitschrift Photonews.


Offene und versteckte Landnahmen

Wenn es der israelisch-palästinensische Konflikt in die deutschen Medien schafft, dann meist in Bezug auf militärische Eskalationen, Terroranschläge in Israel oder humanitäre Krisen im Gazastreifen. Nur selten stehen die Auswirkungen des Konflikts auf die geographischen Gegebenheiten und den urbanen Raum im Fokus. Wenn dieser Aspekt thematisiert wird, dann meist in reduzierter Form in Bezug auf die illegalen israelischen Siedlungen in der Westbank. Wie komplex das Thema Land in Bezug auf den israelisch-palästinensischen Konflikt tatsächlich ist, macht ein neuer Bildband des walisischen Fotografen James Morris deutlich.

Erschienen am 10. Oktober 2016 im Neuen Deutschland.


Schon entdeckt? emerge

Je stärker die Medienkrise klassische Printmedien vor allem aus dem Magazinbereich beutelt, einst die Cashcows und Aushängeschilder der Fotojournalisten, umso interessanter werden für den Fotojournalismus neue Publikationsforen vor allem im Internet. In diesem Zusammenhang hat sich die Onlineplattform „emerge“ zur Förderung des jungen Fotojournalismus weit über die Szene hinaus einen Namen gemacht. In Form eines Webmagazins und mittlerweile auch eines ersten Printmagazins werden jungen Fotograf_innen dort Raum zur Veröffentlichung sowie eine Plattform geboten – auch um ihnen den Berufseinstieg zu erleichtern.

Der komplette Text ist bei M Online einsehbar.


Die türkische Agentur Anadolu und das Putsch-Narrativ

Anfang August hat die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu aus der Türkei die Broschüre „Feto’s Coup Attempt in Turkey – A Timeline“ veröffentlicht. Auf knapp 90 Seiten werden darin die Ereignisse des Putschversuchs vom 15. Juli 2016 nacherzählt, internationale Reaktionen vorgestellt und Hintergrundinformationen geliefert. Spannend an der Broschüre sind die Rahmung der Ereignisse und das Putschnarrativ, das hier aufgebaut wird. Die Broschüre wird international vertrieben oder auf internationalen Festivals wie „Visa pour l’Image“ auch kostenlos verteilt.

Der komplette Text ist bei M Online einsehbar.

Donnerstag, 26. Januar 2017

Der Film BilderKrieg


Wenn wir als Medienkonsumenten Fotografien aus Kriegs- und Krisenregionen zu sehen bekommen, so sehen wir beim Blick in eine Zeitung oder ein Magazin das Endprodukt eines komplexen Produktions- und Redaktionsprozesses. Neben der wissenschaftlichen und medienkritischen Beschäftigung mit medialen Produktionsprozessen ist eine andere Möglichkeit, hinter die Kulissen zu blicken, das Begleiten einzelner Akteure durch den Dokumentarfilm.

Der deutsche Dokumentarfilmer Konstantin Flemig hat dies zum Thema seiner Abschlussarbeit an der Filmakademie Baden-Württemberg gemacht und in Zusammenarbeit mit dem SWR und der Produktionsfirma Eikon Südwest den Film "BilderKrieg" produziert. Im Mittelpunkt steht der deutsche Fotojournalist Benjamin Hiller, der sich vor allem aufgrund seiner fotografischen Dokumentation der Kurden einen Namen gemacht hat. Flemig und sein Team begleiteten Hiller auf Reisen nach Syrien, in den Irak und nach Ruanda und haben ein vielschichtiges Porträt der fotojournalistischen Arbeit eines jungen Fotografen angefertigt.

Der Protagonist Benjamin Hiller ist auch einer der Gründer der Netzwerks "Warzone Freelance", das in diesem Jahr mit einer Ausstellung in Berlin zu Gast war. Der Regisseur hat das Thema Kriegsjournalismus auch aus anderen Perspektiven bearbeitet. So drehte er einen Film über den Journalistenlehrgang beim Ausbildungszentrum der Vereinten Nationen in Hammelburg. Zur Motivation, diesen Film über Kriegsfotografie zu produzieren, sagte Konstantin Flemig:

"In meiner Wohnung hängt ein gerahmter Zeitungsausschnitt aus dem Jahr 2002. Es ist die Rede davon, dass der Krieg im Kongo mittlerweile zwischen 3 und 5 Millionen Menschenleben gekostet hat – da aber zu jener Zeit der Irak im Zentrum des öffentlichen Interesses stand, mussten sich die Toten mit einer zehn Zeilen langen Randnotiz begnügen. Seit dieser Meldung wollte ich wissen, wieso einige Geschichten von Krieg und Elend auf großes mediales Interesse stoßen, während andere völlig untergehen. Daraus entwickelte sich mein Wunsch, selbst Journalist zu werden, und letzten Endes Dokumentarfilmer in Kriegs- und Krisengebieten."

Man darf gespannt sein, wie der junge Regisseur das Thema in seiner Dokumentation verarbeitet. Der Film erfährt am 16. November um 23:30 im SWR seine Erstausstrahlung in der Reihe "Junger Dokumentarfilm".

http://www.swr.de/junger-dokumentarfilm/junger-dokfilm-2016-bilderkrieg/-/id=100850/did=17620964/nid=100850/mmgbko/index.html

http://www.swr.de/junger-dokumentarfilm/junger-dokfilm-2016-bilderkrieg/-/id=100850/did=17620964/nid=100850/mmgbko/index.html

http://www.warzonefreelance.com

http://www.konstantinflemig.com/portraits